13.11.2005, 21:55
HAUS-Regel – Standard-Taktik für Drehleitereinsätze
Der Einsatz einer Drehleiter kann immer nur so gut verlaufen, wie das eingesetzte Personal in der Bedienung geschult, vor allem aber im Bereich der Einsatztaktik ausgebildet ist.
Oftmals geht es bei diesen Einsätzen um Rettung von Menschenleben in letzter Sekunde.
Die Ausbildung zum Drehleitermaschinisten findet überwiegend an den Schulen der Berufsfeuerwehren und an den Landesfeuerwehrschulen (LFS) statt.
In einigen Bundesländern bieten die LFS allerdings keinen Lehrgang für DL-Maschinisten an, weshalb die betroffenen Freiwilligen Feuerwehren gezwungen sind, sich anderweitig Informationen und entsprechende Ausbildung zu beschaffen.
Die für Drehleitern noch gültige DIN 14701 Teil 1 fordert unter Punkt 9 lediglich:
„Bei der Übergabe eines Hubrettungsfahrzeugs an den Betreiber müssen die in Frage kommenden Maschinisten (mindestens 3) vom Hersteller oder Lieferer des Hubrettungsfahrzeugs mindestens zwei Arbeitstage theoretisch und praktisch in die Bedienung des Hubrettungsfahrzeugs und die Funktion der Sicherheitseinrichtungen eingewiesen werden. Die Namen der eingewiesenen Maschinisten sind im Prüfnachweis festzuhalten.“
Einsatztaktik für das teuerste Rettungsgerät der Feuerwehr wird bei den Herstellereinweisungen so gut wie gar nicht vermittelt, es ist sicherlich auch nicht die primäre Aufgabe.
Da die Bedienung und der DL-Betrieb bei den meisten Feuerwehren, die über eine Drehleiter verfügen, das geringste Problem ist, galt es, die Lücke der Einsatztaktik zu schließen.
Es musste etwas sein, was sich standardisiert für jeden Drehleitereinsatz unabhängig von DL-Größe, Hersteller und Baureihe anwenden ließ.
Dies sollte zudem in Stresssituationen einfach umzusetzen sein.
Unter dieser Maßgabe entstand die HAUS-Regel, eine Standard-Taktik, mit der Drehleitereinsätze zur Menschenrettung, Anleiterbereitschaft, Brandbekämpfung und technischen Hilfeleistung gleichermaßen erfasst, beurteilt und abgearbeitet werden können.
Mit der HAUS-Regel kann der optimale Standort der Drehleiter standardisiert bestimmt werden; dieser ist für das Gelingen eines Einsatzes entscheidend!
Das Akronym „H A U S“, welches jeder Feuerwehrangehörige leicht mit einem Drehleitereinsatz in Verbindung bringen kann, steht hierbei für:
* Hindernisse
* Abstände / Abstützung
* Untergrund
* Sicherheit
Hindernisse rechtzeitig erkennen, beurteilen und in der weiteren Einsatzplanung berücksichtigen!
Hindernisse können zum Teil schon während der Anfahrt und des Eintreffens an der Einsatzstelle erkannt werden. Diese beeinflussen die Standortwahl maßgeblich mit.
Als Hindernisse gelten unter anderem:
* Bäume und Büsche
* Brücken und Überführungen
* Elektrische Freileitungen (z.B. Straßenbahn-, Stadtbahn-, Fernbahn-, Hochspannungsleitungen, Stromschienen von U/S-Bahn)
* Ampel- und Laternenmasten
* Mauern, Zäune und Verkehrspoller
* parkende Fahrzeuge
* Einsatzfahrzeuge
* versperrte Feuerwehrzufahrten
* falsch gekennzeichnete Feuerwehrzufahrten (Feuerwehrzufahrten, die keine sind) [1]
Der Einsatzleiter und auch die Drehleiterbesatzung müssen bei der Anfahrt und bei der Entwicklung der Einsatzstelle darauf achten, dass ein Hubrettungsfahrzeug als erstes in eine Sackgasse einfährt, damit andere Einsatzfahrzeuge (Hindernisse!) einen Drehleitereinsatz nicht be- oder gar verhindern.
Abstände / Abstützung richtig wählen (Hindernis-Beurteilung fließt mit ein) und somit die Standfläche der Drehleiter festlegen!
Die Abstände zum anzuleiternden Objekt und zu vorhandenen Hindernissen müssen in Verbindung mit den Maßen der Drehleiter richtig beurteilt und gewählt werden, damit die Standfläche optimal festgelegt werden kann.
Eine spätere Standortveränderung im Einsatzverlauf ist in den allermeisten Fällen so gut wie unmöglich.
Es wird ein Abstandsplan zu Grunde gelegt, der bei jedem DL-Einsatz angewandt wird und dessen Werte aus der Bedienungsanleitung der Drehleiter zu entnehmen, bzw. durch abmessen zu ermitteln sind.
Für eine DLK 23-12 kann dieser Abstandsplan wie folgt aussehen:
1m volle Abstützung der belasteten Seite (von der Fahrzeugkante gemessen!)
2m Negativ-Überstand durch den drehenden Hubrettungssatz (von der Fahrzeugkante gemessen!)
2m [bis maximal 3m] vom Punkt der Objekt-/Fluchtpeilung bis zur Positionierung der Drehkranzmitte (DKM)
6m Abstand vom Objekt zur DKM für maximale Rettungshöhe
8m Länge der Unterleiter (mit Korb 9m) von DKM
10m hinter Drehleiter sind für ein Ablegen des Hubrettungsauslegers freizuhalten.
Die belastete Abstützung, also die Abstützung der Seite auf der mit dem Hubrettungsausleger gearbeitet wird, ist in jedem Fall so weit wie möglich auszufahren, damit das größtmögliche Benutzungsfeld erreicht wird.
Die unbelastete Abstützung kann direkt an der Fahrzeugkante erfolgen, hierbei ist allerdings der Negativ-Überstand bei der Abstandsbestimmung unbedingt zu beachten!
Untergrund beachten, falls nicht auf einer normal befestigten Strasse abgestützt wird!
Eine Ausnahme bilden Feuerwehrzufahrten und die Aufstell- und Bewegungsflächen nach DIN 14090. Diese haben eine Traglast von einer zulässigen Gesamtmasse von 16t (Achslast von 10t). Feuerwehrzufahrten von vor 1945 können allerdings geringere Traglasten aufweisen, werden aber nicht anders gekennzeichnet. Dies sollte vor Ort bedacht werden.
Ansonsten gilt:
* Keine Abstützung auf unbefestigtem/aufgeweichtem Untergrund, auf und nahe (halber Meter) Gullydeckeln, Sielen, Schächten, Böschungen
* Keine Abstützung auf Überfahrten von Gräben (z.B. Grundstückszufahrten), da häufig keine sach- und fachgerechte Ausführung der Rohrarbeiten.
* Wenn Unterlegklötze, dann mindestens einen mit Stahlarmierung verwenden – Erdung!
* Abstützung auf Gehwegen oder verdichtetem Untergrund mit Auffahrbohlen der DL. Hierbei wird eine bessere Lastverteilung erreicht.
* Standplatz darf in keiner Richtung mehr als 7 Grad geneigt sein (Kontrolle: Dosenlibelle)
* Bei Längsneigung sind Unterlegkeile unter einer Achse (siehe Bedienungsanleitung) oder Eisschuhe unter den Stütztellern zu verwenden.
* Bei Abstützung auf Brücken ist unbedingt auf die Brückenlast zu achten.
* Auf Gehwegen von Brücken ist grundsätzlich nicht abzustützen!
Sicherheit gewährleisten!
Die Drehleiterbesatzung hat den reibungslosen und vor allem sicheren Drehleiterbetrieb zu gewährleisten. Die Verantwortung dafür trägt der Drehleitermaschinist.
Gefährdungen sind so weit wie möglich auszuschließen und es gelten die gültigen Unfallverhütungsvorschriften, die Herstelleranweisungen aus der Bedienungsanleitung, sowie die Matrix der „Gefahren der Einsatzstelle – A A A A A B C E E E E E“ [2], die von den Autoren der HAUS-Regel speziell für den Drehleitereinsatz mit Ergänzungen versehen wurde.
Wichtige Aspekte der Sicherheit für eine Drehleiter sind:
Benutzungsgrenze nicht überschreiten
– Kippgefahr ausschließen! Deshalb anzuleiternde Ziele immer von „oben kommend“ anfahren. Somit wird ein Einspringen von zu rettenden Personen in den Korb verhindert.
* Freistandsfelder und -grenzen beachten
* – Kippgefahr ausschließen!
* Kein Drehleiterbetrieb bei Gewitter.
* Sprossengleichheit herstellen und Motor abstellen vor dem Besteigen der Leiter.
* Möglichst nicht im spitzen Winkel anleitern
* – Ein-/ Übersteigprobleme in den Rettungskorb.
* Die Belastung des Hubrettungsauslegers durch Zusatzlasten (Wenderohr, Krankentragenlagerung – die maximale Gewichtsbelastung der KTL darf nicht überschritten werden!) muss beachtet werden.
* Hierbei wird sich die Ausladung verändern.
* Ggf. Abstände zum Objekt korrigieren.
* Stetige Kontrolle, ob die Last zunimmt!
* – Kippgefahr ausschließen!
* Absperrung mindestens innerhalb des Bewegungsbereichs des Hubrettungsauslegers. Ausreichende Verkehrssicherung unbedingt erforderlich.
* Sicherung der Korbbesatzung mindestens mit Feuerwehrhaltegurt
* Mobilfunk-Sendemasten
* – Abstand / Abschirmung / Aufenthaltsdauer, ggf. Versorgungskabel trennen
* Solaranlagen:
* Photovoltaikanlagen - Spannung bis 900 Volt (auch nachts) nicht abschaltbar
* Sonnenkollektoren - bis zu 140° C heißes Wasser
* Gefahr des Absturzes von beschädigten Solarmodulen.
Die HAUS-Regel ist erweiter- und veränderbar. Sie kann in ein bestehendes System mit Standard-Einsatz-Regeln integriert oder auch losgelöst davon verwendet werden.
Sie soll ein „roter Faden“ sein, an dem sich die Maschinisten, aber auch Feuerwehrangehörige, die wenig Einsatzerfahrung mit der Drehleiter haben, orientieren können.
Die Idee der HAUS-Regel wurde durch eine einlaminierte „Einsatzkarte für die Drehleiter“ erweitert [3], die im Führerhaus des Fahrzeugs einsatzbereit verstaut wird und auf der die wichtigsten Punkte kompakt zusammengefasst wurden. Die Karte kann somit im Einsatz schon auf der Anfahrt als Gedächtnisstütze hervorgeholt werden.
Die HAUS-Regel kann und darf in keinem Fall die Ausbildung an einer LFS oder Schule einer BF zum Drehleitermaschinisten ersetzen, kann diese aber sinnvoll ergänzen, wenn sie in den Lehrplan integriert wird.
Die HAUS-Regel wurde bereits von mehreren Feuerwehren in die Ausbildung und den Einsatzdienst erfolgreich übernommen. Ihr Einsatz hat sich als äußerst praktikabel und effektiv erwiesen.
Die Autoren sind überzeugt, dass die HAUS-Regel als Standard-Taktik zum Taktik-Standard in der Drehleiter-Ausbildung und im Einsatz werden kann.
Autoren:
Jan Ole Unger – Berufsfeuerwehr Hamburg
Nils Beneke – Berufsfeuerwehr Hannover
Weitere Informationen und der Download der HAUS-Regel sind über das Ausbildungs- und Informationsportal – drehleiter.info zu bekommen.
Internet: http://www.drehleiter.info
E-Mail: info@drehleiter.info
[1] in Städten nimmt die „private“ Kennzeichnung von normalen Einfahrten als Feuerwehrzufahrt zu. Hintergrund ist StVO §12 (1) Satz 8, nach dem das Halten vor und in amtlich gekennzeichneten Feuerwehrzufahrten verboten ist. Gefährlich ist das Einfahren als DL-Maschinist in eine solche „Feuerwehrzufahrt“ ohne die entsprechende Traglast.
[2] vergl. H.Schläfer 1990, U.Cimolino 2000, A. Graeger 2003
[3] Die Idee der Einsatzkarte stammt von der Freiwilligen Feuerwehr Lilienthal –Ortsfeuerwehr Lilienthal/Falkenberg (Niedersachsen).
Jan Ole Unger – Berufsfeuerwehr Hamburg
Nils Beneke – Berufsfeuerwehr Hannover
Quelle: http://www.feuerwehr.de
Der Einsatz einer Drehleiter kann immer nur so gut verlaufen, wie das eingesetzte Personal in der Bedienung geschult, vor allem aber im Bereich der Einsatztaktik ausgebildet ist.
Oftmals geht es bei diesen Einsätzen um Rettung von Menschenleben in letzter Sekunde.
Die Ausbildung zum Drehleitermaschinisten findet überwiegend an den Schulen der Berufsfeuerwehren und an den Landesfeuerwehrschulen (LFS) statt.
In einigen Bundesländern bieten die LFS allerdings keinen Lehrgang für DL-Maschinisten an, weshalb die betroffenen Freiwilligen Feuerwehren gezwungen sind, sich anderweitig Informationen und entsprechende Ausbildung zu beschaffen.
Die für Drehleitern noch gültige DIN 14701 Teil 1 fordert unter Punkt 9 lediglich:
„Bei der Übergabe eines Hubrettungsfahrzeugs an den Betreiber müssen die in Frage kommenden Maschinisten (mindestens 3) vom Hersteller oder Lieferer des Hubrettungsfahrzeugs mindestens zwei Arbeitstage theoretisch und praktisch in die Bedienung des Hubrettungsfahrzeugs und die Funktion der Sicherheitseinrichtungen eingewiesen werden. Die Namen der eingewiesenen Maschinisten sind im Prüfnachweis festzuhalten.“
Einsatztaktik für das teuerste Rettungsgerät der Feuerwehr wird bei den Herstellereinweisungen so gut wie gar nicht vermittelt, es ist sicherlich auch nicht die primäre Aufgabe.
Da die Bedienung und der DL-Betrieb bei den meisten Feuerwehren, die über eine Drehleiter verfügen, das geringste Problem ist, galt es, die Lücke der Einsatztaktik zu schließen.
Es musste etwas sein, was sich standardisiert für jeden Drehleitereinsatz unabhängig von DL-Größe, Hersteller und Baureihe anwenden ließ.
Dies sollte zudem in Stresssituationen einfach umzusetzen sein.
Unter dieser Maßgabe entstand die HAUS-Regel, eine Standard-Taktik, mit der Drehleitereinsätze zur Menschenrettung, Anleiterbereitschaft, Brandbekämpfung und technischen Hilfeleistung gleichermaßen erfasst, beurteilt und abgearbeitet werden können.
Mit der HAUS-Regel kann der optimale Standort der Drehleiter standardisiert bestimmt werden; dieser ist für das Gelingen eines Einsatzes entscheidend!
Das Akronym „H A U S“, welches jeder Feuerwehrangehörige leicht mit einem Drehleitereinsatz in Verbindung bringen kann, steht hierbei für:
* Hindernisse
* Abstände / Abstützung
* Untergrund
* Sicherheit
Hindernisse rechtzeitig erkennen, beurteilen und in der weiteren Einsatzplanung berücksichtigen!
Hindernisse können zum Teil schon während der Anfahrt und des Eintreffens an der Einsatzstelle erkannt werden. Diese beeinflussen die Standortwahl maßgeblich mit.
Als Hindernisse gelten unter anderem:
* Bäume und Büsche
* Brücken und Überführungen
* Elektrische Freileitungen (z.B. Straßenbahn-, Stadtbahn-, Fernbahn-, Hochspannungsleitungen, Stromschienen von U/S-Bahn)
* Ampel- und Laternenmasten
* Mauern, Zäune und Verkehrspoller
* parkende Fahrzeuge
* Einsatzfahrzeuge
* versperrte Feuerwehrzufahrten
* falsch gekennzeichnete Feuerwehrzufahrten (Feuerwehrzufahrten, die keine sind) [1]
Der Einsatzleiter und auch die Drehleiterbesatzung müssen bei der Anfahrt und bei der Entwicklung der Einsatzstelle darauf achten, dass ein Hubrettungsfahrzeug als erstes in eine Sackgasse einfährt, damit andere Einsatzfahrzeuge (Hindernisse!) einen Drehleitereinsatz nicht be- oder gar verhindern.
Abstände / Abstützung richtig wählen (Hindernis-Beurteilung fließt mit ein) und somit die Standfläche der Drehleiter festlegen!
Die Abstände zum anzuleiternden Objekt und zu vorhandenen Hindernissen müssen in Verbindung mit den Maßen der Drehleiter richtig beurteilt und gewählt werden, damit die Standfläche optimal festgelegt werden kann.
Eine spätere Standortveränderung im Einsatzverlauf ist in den allermeisten Fällen so gut wie unmöglich.
Es wird ein Abstandsplan zu Grunde gelegt, der bei jedem DL-Einsatz angewandt wird und dessen Werte aus der Bedienungsanleitung der Drehleiter zu entnehmen, bzw. durch abmessen zu ermitteln sind.
Für eine DLK 23-12 kann dieser Abstandsplan wie folgt aussehen:
1m volle Abstützung der belasteten Seite (von der Fahrzeugkante gemessen!)
2m Negativ-Überstand durch den drehenden Hubrettungssatz (von der Fahrzeugkante gemessen!)
2m [bis maximal 3m] vom Punkt der Objekt-/Fluchtpeilung bis zur Positionierung der Drehkranzmitte (DKM)
6m Abstand vom Objekt zur DKM für maximale Rettungshöhe
8m Länge der Unterleiter (mit Korb 9m) von DKM
10m hinter Drehleiter sind für ein Ablegen des Hubrettungsauslegers freizuhalten.
Die belastete Abstützung, also die Abstützung der Seite auf der mit dem Hubrettungsausleger gearbeitet wird, ist in jedem Fall so weit wie möglich auszufahren, damit das größtmögliche Benutzungsfeld erreicht wird.
Die unbelastete Abstützung kann direkt an der Fahrzeugkante erfolgen, hierbei ist allerdings der Negativ-Überstand bei der Abstandsbestimmung unbedingt zu beachten!
Untergrund beachten, falls nicht auf einer normal befestigten Strasse abgestützt wird!
Eine Ausnahme bilden Feuerwehrzufahrten und die Aufstell- und Bewegungsflächen nach DIN 14090. Diese haben eine Traglast von einer zulässigen Gesamtmasse von 16t (Achslast von 10t). Feuerwehrzufahrten von vor 1945 können allerdings geringere Traglasten aufweisen, werden aber nicht anders gekennzeichnet. Dies sollte vor Ort bedacht werden.
Ansonsten gilt:
* Keine Abstützung auf unbefestigtem/aufgeweichtem Untergrund, auf und nahe (halber Meter) Gullydeckeln, Sielen, Schächten, Böschungen
* Keine Abstützung auf Überfahrten von Gräben (z.B. Grundstückszufahrten), da häufig keine sach- und fachgerechte Ausführung der Rohrarbeiten.
* Wenn Unterlegklötze, dann mindestens einen mit Stahlarmierung verwenden – Erdung!
* Abstützung auf Gehwegen oder verdichtetem Untergrund mit Auffahrbohlen der DL. Hierbei wird eine bessere Lastverteilung erreicht.
* Standplatz darf in keiner Richtung mehr als 7 Grad geneigt sein (Kontrolle: Dosenlibelle)
* Bei Längsneigung sind Unterlegkeile unter einer Achse (siehe Bedienungsanleitung) oder Eisschuhe unter den Stütztellern zu verwenden.
* Bei Abstützung auf Brücken ist unbedingt auf die Brückenlast zu achten.
* Auf Gehwegen von Brücken ist grundsätzlich nicht abzustützen!
Sicherheit gewährleisten!
Die Drehleiterbesatzung hat den reibungslosen und vor allem sicheren Drehleiterbetrieb zu gewährleisten. Die Verantwortung dafür trägt der Drehleitermaschinist.
Gefährdungen sind so weit wie möglich auszuschließen und es gelten die gültigen Unfallverhütungsvorschriften, die Herstelleranweisungen aus der Bedienungsanleitung, sowie die Matrix der „Gefahren der Einsatzstelle – A A A A A B C E E E E E“ [2], die von den Autoren der HAUS-Regel speziell für den Drehleitereinsatz mit Ergänzungen versehen wurde.
Wichtige Aspekte der Sicherheit für eine Drehleiter sind:
Benutzungsgrenze nicht überschreiten
– Kippgefahr ausschließen! Deshalb anzuleiternde Ziele immer von „oben kommend“ anfahren. Somit wird ein Einspringen von zu rettenden Personen in den Korb verhindert.
* Freistandsfelder und -grenzen beachten
* – Kippgefahr ausschließen!
* Kein Drehleiterbetrieb bei Gewitter.
* Sprossengleichheit herstellen und Motor abstellen vor dem Besteigen der Leiter.
* Möglichst nicht im spitzen Winkel anleitern
* – Ein-/ Übersteigprobleme in den Rettungskorb.
* Die Belastung des Hubrettungsauslegers durch Zusatzlasten (Wenderohr, Krankentragenlagerung – die maximale Gewichtsbelastung der KTL darf nicht überschritten werden!) muss beachtet werden.
* Hierbei wird sich die Ausladung verändern.
* Ggf. Abstände zum Objekt korrigieren.
* Stetige Kontrolle, ob die Last zunimmt!
* – Kippgefahr ausschließen!
* Absperrung mindestens innerhalb des Bewegungsbereichs des Hubrettungsauslegers. Ausreichende Verkehrssicherung unbedingt erforderlich.
* Sicherung der Korbbesatzung mindestens mit Feuerwehrhaltegurt
* Mobilfunk-Sendemasten
* – Abstand / Abschirmung / Aufenthaltsdauer, ggf. Versorgungskabel trennen
* Solaranlagen:
* Photovoltaikanlagen - Spannung bis 900 Volt (auch nachts) nicht abschaltbar
* Sonnenkollektoren - bis zu 140° C heißes Wasser
* Gefahr des Absturzes von beschädigten Solarmodulen.
Die HAUS-Regel ist erweiter- und veränderbar. Sie kann in ein bestehendes System mit Standard-Einsatz-Regeln integriert oder auch losgelöst davon verwendet werden.
Sie soll ein „roter Faden“ sein, an dem sich die Maschinisten, aber auch Feuerwehrangehörige, die wenig Einsatzerfahrung mit der Drehleiter haben, orientieren können.
Die Idee der HAUS-Regel wurde durch eine einlaminierte „Einsatzkarte für die Drehleiter“ erweitert [3], die im Führerhaus des Fahrzeugs einsatzbereit verstaut wird und auf der die wichtigsten Punkte kompakt zusammengefasst wurden. Die Karte kann somit im Einsatz schon auf der Anfahrt als Gedächtnisstütze hervorgeholt werden.
Die HAUS-Regel kann und darf in keinem Fall die Ausbildung an einer LFS oder Schule einer BF zum Drehleitermaschinisten ersetzen, kann diese aber sinnvoll ergänzen, wenn sie in den Lehrplan integriert wird.
Die HAUS-Regel wurde bereits von mehreren Feuerwehren in die Ausbildung und den Einsatzdienst erfolgreich übernommen. Ihr Einsatz hat sich als äußerst praktikabel und effektiv erwiesen.
Die Autoren sind überzeugt, dass die HAUS-Regel als Standard-Taktik zum Taktik-Standard in der Drehleiter-Ausbildung und im Einsatz werden kann.
Autoren:
Jan Ole Unger – Berufsfeuerwehr Hamburg
Nils Beneke – Berufsfeuerwehr Hannover
Weitere Informationen und der Download der HAUS-Regel sind über das Ausbildungs- und Informationsportal – drehleiter.info zu bekommen.
Internet: http://www.drehleiter.info
E-Mail: info@drehleiter.info
[1] in Städten nimmt die „private“ Kennzeichnung von normalen Einfahrten als Feuerwehrzufahrt zu. Hintergrund ist StVO §12 (1) Satz 8, nach dem das Halten vor und in amtlich gekennzeichneten Feuerwehrzufahrten verboten ist. Gefährlich ist das Einfahren als DL-Maschinist in eine solche „Feuerwehrzufahrt“ ohne die entsprechende Traglast.
[2] vergl. H.Schläfer 1990, U.Cimolino 2000, A. Graeger 2003
[3] Die Idee der Einsatzkarte stammt von der Freiwilligen Feuerwehr Lilienthal –Ortsfeuerwehr Lilienthal/Falkenberg (Niedersachsen).
Jan Ole Unger – Berufsfeuerwehr Hamburg
Nils Beneke – Berufsfeuerwehr Hannover
Quelle: http://www.feuerwehr.de